Monatsarchiv: Juli 2009

Gedanken zum Kino mit Behinderung: „Renn, wenn du kannst“ 2009

Tragikomödie : Renn, wenn du kannst        ZZZZ

Foto: Zorro

Ben (Robert Gwisdek) sitzt für den Rest seines Lebens im Rollstuhl. Er ist sarkastisch, intelligent und verzweifelt. Die Liebe kommt für Behinderte wie ihn nicht in Frage – das erklärt er zumindest seinem neuen Zivi Christian (Jacob Matschenz). Annika (Anna Brüggemann) studiert Cello und hetzt durch ein Leben, das nur aus Üben und möglichst perfektem Vorspielen besteht. Als sie eines Morgens mit Christian kollidiert, lernen die Drei sich kennen und werden Freunde, doch beide Jungs könnten sich durchaus mehr vorstellen. Was wie eine harmlose Freundschaft beginnt, wird besonders für Ben zu einer emotionalen Herausforderung.
Dietrich Brüggemann hat die von ihm und seiner Schwester Anna geschriebene Dreiecksgeschichte direkt und ganz ohne Schüchternheit inszeniert. Er verzichtet in diesem Film, der gerade durch seine schwarzhumorigen und pointierten Dialoge überzeugt, vollkommen auf die sonst übliche Samthandschuhmentalität und Zurückhaltung, wenn es um Behinderte geht. Sexualität, Liebe und Partnerschaft mit einem Rollstuhlfahrer werden schnörkellos angesprochen und gezeigt. Durch das offene und einfühlsame Spiel der Schauspieler (insbesondere der grandiose Robert Gwisdek) wird der Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale-Perspektive zu einem überzeugenden Kinovergnügen der besonderen Art – frei von jeglicher Betroffenheit. Ein Film über Freundschaft, Liebe und das Chaos dazwischen – und das mit überzeugend komponierten Cinemascope-Bildern und antreibendem Soundtrack.

D 2009, 112 min, R: Dietrich Brüggemann D: Anna Brüggemann, Robert Gwisdek, Jacob Matschenz, Kinostart: 29.7.

http://service.zitty.de/kultur-kino/61670/

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