Monatsarchiv: August 2009

Bei den Fischen abgestellt, Artikel aus der Wochenzeitung „Jungelworld“ 2009

In Integrationsschulen werden Menschen mit Behinderungen als selbstverständlicher Bestandteil einer Gruppe behandelt. Wenn Mitschüler von der Lehrerin zum »Rollstuhl-Schiebe-Dienst« verpflichtet werden, geht aber irgendetwas schief.

Die ersten vier Jahre meiner Grundschulzeit waren schön, familiär und freundschaftlich. Wir waren nur 15 Kinder in der Klasse und kannten uns fast alle schon aus dem Integrationskindergarten. Weil der Kindergarten mit der Grundschule kooperierte, kannte uns auch unsere Lehrerin schon sehr lange. Am Anfang waren wir fünf Schüler mit Behinderung und zehn ohne. Nach der Schule sind wir immer zusammen in einen Schülerladen gegangen.

Aber nach vier bis fünf Jahren splitterte die Klasse langsam auseinander. Der Schülerladen hatte sich inzwischen aufgelöst, da sich immer mehr meiner Freunde abgemeldet hatten, weil sie sich zu alt für die Betreuung fühlten. Auch in der Schule spürte man die Veränderung. Wir waren nicht mehr so eng verbunden wie früher, und das wirkte sich natürlich auch auf die Struktur in der Klasse aus.

Mit der Zeit gab es immer mehr Streitigkeiten und Probleme. Immer öfter wurde der Sitzkreis nicht nur deshalb einberufen, um die Stunden zu planen oder die Wochenend-Erlebnisse auszutauschen, sondern um Probleme zu besprechen, die wir untereinander hatten. Oft ging es in diesem Sitzkreis um unseren Klassenkasper, aber leider auch immer häufiger um mich. Ich wurde zwar in meinem Rollstuhl von meinen Mitschülern noch aus dem Klassenraum geschoben, jedoch immer öfter an der Mauer mit der Fischbemalung abgestellt.

Marie Gronwald

Der vollständiger Artikel ist nachzulesen unter:

http://jungle-world.com/artikel/2009/33/37371.html

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